Wissenswertes

  

       Inhaltsverzeichnis

  • Warum beim Züchter?
  • Welche Anforderungen stellt ein Züchter an seine Interessenten?
  • Was ist eigentlich der Unterschied zwischen NHD, Mini Lop und Zwergwidder?
  • Innen- oder Außenhaltung?
  • Wie groß muss der Stall sein?
  • Wie oft muss ich meinen Stall / Gehege sauber machen?
  • Welche Haltungskonstellation ist zu empfehlen?
  • Fütterung?
  • Welche Impfungen sind sinnvoll?
  • Kann man von der Kaninchenzucht leben?

 

Warum beim Züchter?

 

Eine immer noch oftmals gestellte Frage. Sicherlich gibt es im großen weiten WWW unzählige Möglichkeiten, möglichst billig an ein Kaninchen zu kommen. Oftmals ist aber nicht nur die Herkunft zweifelhaft, sondern auch die Gesundheit und das spätere Endgewicht. Nicht umsonst gilt das Sprichwort "Wer billig kauft - kauft zweimal!".

 

Ein seriöser Züchter zeigt Ihnen gerne seine Zucht, die Elterntiere und die Stallungen, nimmt sich Zeit und ist nicht ohne Grund auch stolz auf seine Tiere. Zudem bekommen Sie beim Züchter einen Bub, wenns ein Bub sein soll oder ein Mädel, wenns ein Mädel sein soll. Eine umfassende Beratung ist beim verantwortungsvollen Züchter eine Selbstverständlichkeit. 


 

Welche Anforderungen stellt ein Züchter an seine Interessenten?

 

Als Züchter erwarte ich von meinen Interessenten, dass sie sich beim Erstkontakt mit vollständigem Namen vorstellen und mir ein paar kleinere Infos zukommen lassen. So ist es für mich als Züchter wichtig zu wissen, haben oder hatten Sie bereits Kaninchen, oder sind Sie absoluter Neuling? Welcher Geschlechter Konstellation ist gewünscht, bzw. hier helfe ich natürlich sehr gerne bei der Zusammenstellung von Paaren oder Gruppen. Wo sollen die Tiere gehalten werden, also ob man sich für eine Außen- oder Innenhaltung entschieden hat und wie diese aussehen wird. 

Nichts desto trotz, entscheidet am Ende mein Gefühl, wem ich ein Tier anvertraue und wem nicht. Es muss einfach das Vertrauensverhältnis zwischen Züchter und Interessent passen. Dafür bitte ich um Verständnis. 


 

Und was ist eigentlich der Unterschied zwischen NHD, Mini Lop und Zwergwidder?

 

Eines vorweg - die Rassen sind für den Laien optisch nicht zu unterscheiden, lediglich das Papier sagt etwas über die Herkunft aus. Egal ob das Tier aus Deutschland, England oder Holland kommt, am Ende hat der Großteil der Tiere ein Gewicht von 1,5 - 2,0kg. Die Rassen werden gleich groß. Nur weil der Standard in England oder Holland ein etwas geringeres Gewicht fordert, heisst das nicht, dass alle Mini Lops oder NHD´s  auch diesem Standard entsprechen. 

 

 

Es gibt verschiedene Standards. Vergleichen wir einmal die deutschen und die englischen Wunschvorgaben zur Ausstellung: 

Deutsch: Idealgewicht 1,5 - 1,9kg / Höchstgewicht 2kg / Mindestgewicht 1,2kg

Englisch: Idealgewicht 1,5kg / Höchstgewicht 1,6kg / Mindestgewicht 1,36kg 

 

Der Mini Lop ist selten kleiner als der Deutsche Zwergwidder. Die genannten Wunschvorgaben für Ausstellungen, erfüllt nämlich nur eine kleine Auswahl selektierter Tiere, welche eben dann zur Ausstellung kommen. Dies ist in England ebenso, wie auch in Deutschland. Auch der Engländer hat Tiere in seiner Zucht die das vorgegebene Gewicht überschreiten. Diese sind dadurch ja nicht zuchtuntauglich, sondern einfach nicht mehr ausstellungsfähig. Tiere die größer ausfallen, werden nicht auf Ausstellungen präsentiert, weil sie aufgrund dessen natürlich weniger Punkte machen würden. Sogenannte Micro Kaninchen, also garantierte Winzlinge von 800-1000g, die im übrigen rechtlich unter Qualzucht fallen und verboten sind, gibt es gezüchtet nicht. Ja, sie kommen vor, das hat aber meistens einen krankhaften Ursprung.

 

Im Typ und Körperbau steht der deutsche Zwergwidder, dem englischen (Mini Lop) oder auch holländischen (NHD) in nichts nach. Man hat als Züchter hier auch eine größere Auswahl, innerhalb Deutschland an gute Tiere zu kommen und es wird streng selektiert. Wer z. B. ganz streng reine Mini Lops aus 100% beringter Linie züchten will, hat nur ein sehr sehr begrenztes Angebot Tiere zu erwerben. Seit dem Brexit mag sich die Situation hier nochmals verschärft haben. Die Möglichkeit der Selektion ist aufgrund dessen sehr begrenzt. Tiere aus 100% reiner Linie sind dünn gesäht und die Preisvorstellungen für "gute" reine englische Zuchttiere, oftmals im mittleren 3-stelligen Bereich, fernab der Realität. Wir sollten nie vergessen, dass wir Kaninchen züchten und keine hochpreisigen Rennpferde. Und ein kleiner Hinweis am Rande, auch der Engländer kauft seine Zuchttiere zum Teil in Deutschland.

 

Mein Fazit: Alle 3 Rassen sind Zwergwidder und gleichermaßen schön und je nach Züchtung auch sehr typvoll. Ich nehme das zur Zucht, was mir persönlich optisch am besten gefällt, egal ob NHD, Mini Lop oder Zwergwidder. Eine einwandfreie Gesundheit und Linie setze ich grundsätzlich voraus.

 

NHD = Zwergwidder holländischer Herkunft

Mini Lop = Zwergwidder englischer Herkunft

Zwergwidder = Zwergwidder deutscher Herkunft


 

Innen- oder Außenhaltung?

 

Egal ob Innen- oder Außenhaltung, wichtig ist für die Liebhaberhaltung ein entsprechend großer Stall, welcher trocken und von Zugluft geschützt ist. Ein großzügiges und gesichertes Freigehege kann ich nur jedem Kaninchen Liebhaber empfehlen. Die Möglichkeiten sind endlos und im Web finden sich unzählige Beispiele hierfür. 

Des weiteren sollte jeder Stall über eine erhöhte Sitzfläche verfügen, sei es als Sitzbrett oder auch als Häuschen in welchem beide Tiere Platz finden. Heu sollte grundsätzlich in einer Heuraufe angeboten werden, da es ansonsten sehr schnell verschmutzt. Wasser bietet man am besten in einer Tränke an, Wassernäpfe werden leider regelmäßig umgeworfen oder das Tier nimmt ein Bad darin. Als Einstreu eignet sich handelsübliche Streu oder Stroh. 

 

Bitte bedenken Sie bei Ihrer Planung, dass Kaninchen Lebewesen sind, welche ihr ganzes Leben in der zur Verfügung gestellten Behausung verbringen müssen.


 

Wie groß muss der Stall sein?

 

Im Tierschutzgesetz werden keine festen Maße für die Haltung von Zwergkaninchen genannt. Allerdings gibt es Dokumente, welche das Veterinäramt als Grundlage zur Beurteilung einer Haltungseinheit zugrunde legen kann. 

Hierbei wird unterschieden zwischen Liebhaberhaltung (Familien, Privatpersonen ohne Zuchtambitionen), sowie Hobby- und Vereinszüchtern (sobald Nachwuchs gezogen wird, erfolgt die Gruppierung unter Züchter). 

 

  • Für Züchter (Hobbyzüchter, Vereinszüchter) dient als Haltungsgrundlage die Empfehlung des ZDRKHier wird für die Haltung von Zwergrassen bis 1,5kg eine Boxengröße von 60x60x50cm als Mindestmaß vorgegeben. Zwergrassen über 1,5kg benötigen 65x70x50cm.
  • Die Haltung bei Liebhabern (z. B. Familien), sollte generell ein größeres Platzangebot bieten, da die Tiere dort i. d. R. ihr ganzes weiteres Leben verbleiben und eine größere Haltung einfach weniger Probleme birgt, wenn die Tiere zu zweit oder zu mehreren gehalten werden. Eine Einzelhaltung empfiehlt sich bei reiner Kuschelhaltung nicht. Jedes Tier sollte mindestens einen Artgenossen haben. Für 2 Tiere empfehle ich eine Mindeststallgröße von 160x60cm. Je größer, desto besser. Ein großzügiges Freigehege dazu, sollte selbstverständlich sein.

 

Wie oft muss ich meinen Stall / Gehege sauber machen?

  

Eine nicht selten gestellte Frage betrifft die Stubenreinheit. Kaninchen können durchaus lernen eine sog. Toilette zu benutzen, hier hat sich der Halter aber dem Kaninchen anzupassen. So kann man an die Stelle an der zumeist das Geschäft verrichtet wird eine entsprechende Kotwanne platzieren. Eine Garantie, dass es funktioniert, gibt es dafür leider nicht. Vergessen Sie nicht, es handelt sich um Kaninchen, nicht um einen Hund oder eine Katze, die man zur Stubenreinheit erziehen kann!

Wichtig ist immer ein entsprechendes Maß an Sauberkeit. Je nach Gehege- bzw. Stallgröße empfehle ich in jedem Fall eine Säuberung der Kotecken täglich. Der ganze Stall sollte mindestens 1x wöchentlich komplett gereinigt werden. Tränken und Näpfe sollten ebenso täglich ausgewaschen und gesäubert werden. 

Haben Sie kürzlich erst einen Verlust Ihres Tieres erfahren müssen, desinfizieren Sie bitte das ganze Gehege plus Stall, um die Neuankömmlinge nicht einem unbekannten Krankheitsrisiko auszusetzen. 


 

Welche Haltungskonstellation ist zu empfehlen?

 

Egal für welche Konstellation man sich entscheidet, eins vorne weg - keine Einzelhaltung. Männliche Tiere sollten zudem immer kastriert werden. Nur so ist ein harmonisches Miteinander auf Dauer gewährleistet. Wenn bereits ein Tier im neuen Zuhause wartet, dann bitte die Erstzusammenführung immer auf neutralem Boden umsetzen, da ansonsten das alteingesessene Tier ggf. sein Revier gegen den Neuankömmling verteidigt. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die Vergesellschaftung mitunter schonmal ein paar Tage dauern kann, bis Ruhe einkehrt. 

 

  • Rammler + Rammler: 

Zwei Buben geben ein sehr harmonisches Paar ab, wenn beide mit 10-12 Wochen frühkastriert werden. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass diese auch dem Menschen gegenüber viel zutraulicher werden, als es die Mädels je sein werden. Ohne Kastration geht das Ganze in den allermeisten Fällen, mit Eintritt der Geschlechtsreife, schlecht aus. Zudem entwickeln die Tiere zumeist ein starkes Markierverhalten (Urinspritzen über mehrere Meter). Auch eine spätere Kastration, nachdem die Rammler das erste mal ordentlich Streit hatten, führt dann meist nicht mehr zum Ziel. Deshalb lassen Sie die Tiere bitte unbedingt frühkastrieren, auch wenn sie zu diesem Zeitpunkt noch ein Herz und eine Seele sind und man sich denkt, das geht auch so. Davon 2 erwachsene Kastrate zusammen zu setzen halte ich nichts, das klappt i.d.R. nur bei Jungtieren, die zusammen aufgewachsen sind.

 

  • Rammler + Häsin: 

Diese Konstellation ist ebenso möglich. Die Tiere geben zumeist ein sehr harmonisches Paar ab. Aber der Rammler würde die Häsin durchgehend belegen, sie würde also im 4-Wochen Takt werfen und unter Dauerstress leben. Das würde irgendwann zum frühzeitigen Tod der Häsin führen. Ein weiterer Aspekt wären die unzähligen Jungtiere, die sie dann als sog. "Vermehrer" unter Umständen auch nicht vermitteln können. Also eine Endloskette, da auch der Nachwuchs in kurzer Zeit geschlechtsreif wird. Unkastrierte Rammler absolut nicht empfehlenswert! Der Rammler sollte also unbedingt mit 10-12 Wochen frühkastriert werden und darf nach dem kleinen Eingriff sofort wieder zur Häsin. Wird ein Alter von 13 Wochen überschritten, ist es keine Frühkastration mehr und der Rammler könnte noch gut 4-6 Wochen zeugungsfähig sein und muss diese Zeit dann leider erstmal von der Häsin getrennt absitzen. 

 

  • Häsin + Häsin: 

Kann funktionieren, oder auch nicht. Die Häsinnen werden mit Eintritt der Geschlechtsreife oftmals sehr zickig untereinander. Wenn es ganz extrem wird, können sie auch bissig dem Menschen gegenüber werden. Ein Kastrat dazu schafft in den meisten Fällen Abhilfe.

 

  • Gruppenhaltung: 

Bei der Gruppenhaltung können mehrere frühkastrierte Rammler mit mehreren Häsinnen zusammen gehalten werden. Bei dieser Konstellation ist eine entsprechende Größe des Geheges Voraussetzung. Später kastrierte Rammler sollten alleine mit einer Schar von Häsinnen gehalten werden. Hier rate ich davon ab, mehrere spät kastrierte Rammler in der Gruppe zu halten, das es hier oftmals aufgrund später Kastration, zu Unstimmigkeiten unter den Kastraten kommt.


 

Fütterung?

 

Ich füttere meine Tiere sehr ausgewogen. Grundnahrungsmittel ist natürlich hochwertiges Heu aus eigener Produktion und Wasser, welches selbstverständlich 24 Stunden am Tag zur Verfügung steht. Füttern Sie immer nur wohlriechendes Heu, welches mindestens 6 Wochen abgelagert wurde. Keinesfalls darf schimmeliges, feuchtes oder muffiges Heu angeboten werden!

Dazu gibt es Möhren, Fenchel, Salat und hi und da etwas Obst.

Bitte füttern Sie Frischfutter behutsam und in kleinen Mengen. Gerade Jungtiere sind noch sehr empfindlich und haben noch keine vollständig ausgebildete Darmflora. Auf alle Arten von Kohl sollte vollständig verzichtet werden.       

 

Meine Futtermischung besteht aus (*unbez. Werbung*):

- Deukanin Basis

- Agrobs Alpengrünmüsli

- Agrobs Wiesenflakes

- Grünhopper Adult Kräuter (5% Rabatt-Code: NKBRANDL)

 

Eine ausgewogene Ernährung in der Kaninchenhaltung, ist der beste Grundstein für ein langes und glückliches Leben.

Frisches als alleiniges Futter ist in meinen Augen nicht ausreichend und führt oftmals zu erheblichen gesundheitlichen Problemen. Gerade Tiere, die in Außenhaltung leben oder zur Zucht eingesetzt werden, haben einen erhöhten Energiebedarf, welcher abgedeckt werden muss.


 

Welche Impfungen sind sinnvoll?

 

Es gibt für einige schwerwiegende Kaninchen Krankheiten zum Glück eine Impfung. 

Ich empfehle jedem seine Tiere impfen zu lassen und darauf zu achten, den Impfschutz immer aktuell zu halten.

Nur so schützen Sie Ihr Tier bestmöglich.

 

  • Rabbit Haemorrhagic Disease (RHD//RHD-V2/Chinaseuche): 

Eine immer tödlich verlaufende Krankheit. Eingeschleppt durch den Halter selbst, fremde Kaninchen, gesammeltes Futter oder Mücken, äußert sie sich innerhalb von Stunden ganz plötzlich. Die Tiere sind apathisch und nicht selten läuft den Tieren am Ende des Leidensweges Blut aus Mund, Nase oder Ohren. Sie ist nicht heilbar und verläuft immer tödlich. Der Erreger kann mehrere Monate auf Oberflächen, im Boden oder Holz überleben. Schutz bietet nur eine Impfung gegen RHD 1+2. Wir empfehlen Filavac VHD  K C+V. Der Impfstoff ist 1x jährlich getrennt von Myxomatose zu impfen. 

 

  • Myxomatose:

Eine ebenso meist tödlich verlaufende Krankheit, die über Kontakt zu anderen Kaninchen oder Stechmücken übertragen wird. Auch der Halter selbst kann es einschleppen. Die Tiere bekommen Fieber, Fressunlust und Pocken um Auge, Nase und Ohren. Unbehandelt sind die Tiere dem Tod geweiht, aber auch mit einer Behandlung liegt die Sterblichkeitsrate sehr hoch. Eine Impfung ist verfügbar und muss abhängig vom verwendeten Impfstoff, alle 6-12 Monate aufgefrischt werden. 


 

Kann man von der Kaninchenzucht leben?

  

Definitiv NEIN! Ich gebe Tiere ab, die mich in meinem Zuchtziel nicht weiter bringen und natürlich kann ich schon aus Platzgründen nicht jede Nachzucht behalten. Leider höre ich bei einer Abgabe nicht selten, dass der Züchter sich mit der Vermittlung überschüssiger Jungtiere eine goldene Nase verdient. Dem ist absolut nicht so! Züchten kostet richtig viel Geld - sofern man es mit Herz und Verstand macht und aufs Tierwohl bedacht ist!! Es ist ein richtig kostspieliges Hobby, was auch ein gewisses Maß an Disziplin und Durchhaltevermögen voraussetzt und ein geregeltes Einkommen (Vollzeitstelle), um die regelmäßig anfallenden Kosten für Futter, Heu, Streu, Mistentsorgung, Impfungen, Kauf und Instandhaltung der Stallungen, sowie auch die Anschaffung neuer Zuchttiere finanzieren zu können. Vom täglichen Zeitaufwand für die Versorgung und Pflege der Tiere, sowie Websitenpflege und Beratungen, ganz abgesehen.

 

Gerne wird man als Züchter auch mit zweifelhaften Billigangeboten von diversen Vermehrern oder Kinderzimmer Würfen aus dem Web konfrontiert. Das hat aber mit Zucht rein gar nichts zu tun! Das ist einfach nur wahllose Vermehrung - aus welchen Gründen auch immer.

  

Vielleicht sollte man sein eigenes Anspruchsverhalten (in Relation zur Zahlungsbereitschaft) überdenken, anstatt den Züchter immer kritisch zu hinterfragen. Denn welche Dienstleistung lassen Sie selbst Ihren Mitmenschen KOSTENLOS zukommen?